Totale Erschöpfung: Wenn Familienarbeit krank macht

07-07-2016 16:10

Müttergenesungswerk stellt Jahresauswertung 2015 vor

 

Berlin, im Juni 2016. 87 Prozent aller Mütter, die 2015 an einer Kurmaßnahme in einer vom Müttergenesungswerk (MGW) anerkannten Klinik teilnahmen, litten an einem Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burn-out. Dies ist ein Anstieg um 3 Prozent. Auch bei Vätern dominierten diese Gesundheitsstörungen mit fast 70 Prozent. Trotz noch geringer Teilnehmerzahlen verzeichnet das MGW bei Männern eine stetig wachsende Nachfrage: 2015 wuchs der Anteil an Vätern in Kurmaßnahmen um 24 Prozent. Rund 70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden Zuhause gepflegt, hauptsächlich von Frauen. Ein Drittel der Pflegenden erkrankt jedoch aufgrund der zusätzlichen Belastungen selbst. Fachleute, aber auch Pflegende wissen nicht, dass sie einen gesetzlichen Anspruch auf eine Kurmaßnahme zur Vorsorge oder Rehabilitation haben. So das Fazit der diesjährigen Auswertung der Sozialdaten, die das MGW jährlich in seinen Einrichtungen erhebt.

 

„Erschreckend ist die stetig wachsende Zahl von Erschöpfungszuständen – inzwischen kommen 87 Prozent aller Mütter mit dieser Indikation in die Klinik“, sagt die Kuratoriumsvorsitzende Dagmar Ziegler, MdB. „Mütter und Väter leiden gleichermaßen besonders stark unter ständigem Zeitdruck, bedingt durch Doppel- und Dreifachbelastung. Das traditionelle Rollenmodell mit dem Mann als Haupt- und Vollzeitverdiener stellt allerdings für Väter eine extreme Herausforderung dar. Nahezu 60 Prozent nennt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Belastung. Trotz ihrer Probleme durch den Beruf arbeiten 52 Prozent der befragten Väter über 40 Stunden und mehr pro Woche. Wenn sie dazu noch familienbezogene Aufgaben wahrnehmen, kommen auch Männer an ihre Grenzen und werden krank“, so Ziegler weiter.

 

Anne Schilling, Geschäftsführerin des MGW ergänzt: „Der Gesundheitszustand von Frauen mittleren Alters ist auffallend schlecht. Bei dieser Altersgruppe gibt es besonders hohe psychosoziale Belastungen durch Haus- und Familienarbeit. Gerade in Bezug auf pflegende Frauen besteht dringend Handlungsbedarf, denn diese Frauen befinden sich in einer Sandwich-Position. Wir wissen, dass bereits heute ein Viertel aller Mütter Angehörige pflegen und wir wissen auch, dass rund ein Drittel derjenigen, die pflegen, selbst aufgrund der zusätzlichen Belastungen erkranken. Daher bieten die fünf Mütterkliniken, die unter dem Dach des MGW arbeiten, Schwerpunktmaßnahmen für pflegende Frauen an. Seit 2012 gibt es mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz auch einen gesetzlichen Anspruch für alle pflegenden Frauen und Männer. Dies ist leider weder bei den Betroffenen, noch bei Expertinnen und Experten richtig bekannt.“

 

Die Kuratoriumsvorsitzende betont den unterschiedlichen Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Mütter, Väter und Pflegende „Die Praxiserfahrungen zeigen, dass das Müttergenesungswerk weiter gefordert ist, die Menschen, die Sorgearbeit in der Familie leisten, differenziert in den Blick zu nehmen und entsprechend dem Stiftungsauftrag konkret zu unterstützen.“

Das Müttergenesungswerk bietet seit seiner Gründung Kurmaßnahmen für Mütter mit besonderer mütter- und frauenspezifischer Qualität. Mit Bildung der Zustiftung Sorgearbeit 2013 wurde dieser nachhaltig wirkende, bundesweit einzigartige Konzeptansatz auch auf Kurmaßnahmen für Väter und für pflegende Angehörige übertragen. 16 von 76 Kliniken setzen bereits dieses bundesweit einzigartige väterspezifische Konzept des MGW um.

 

(Quelle: Müttergenesungswerk, Berlin)

 

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